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Erneuerbare Energien garantieren Versorgungssicherheit
Datum: 28.04.2008 8:06 Uhr
Die Branche der Erneuerbaren Energien hat anlässlich der Diskussion um
eine angebliche Energielücke ihre Investitionspläne bekräftigt.
„Erneuerbare
Energien werden die Versorgungssicherheit gewährleisten. Die angebliche
Energielücke ist vor allem eine Angstkampagne der konventionellen
Energiewirtschaft“, sagte Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes
Erneuerbare Energie (BEE). Ziel sei es, die Laufzeiten der
Atomkraftwerke zu verlängern und weiterhin kostenlose CO2-Zertifikate
zugeteilt zu bekommen. Im Rahmen des Energiegipfels der Bundeskanzlerin
hatten die Unternehmen zugesagt, dass bis 2020 in Deutschland mehr als
200 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investiert werden. Davon
fließt mehr als die Hälfte in den Stromsektor. Das ist ein Vielfaches
der Investitionen, die von der konventionellen Energiewirtschaft für
diesen Bereich angekündigt worden sind.
Noch vor der
Sommerpause wird der Bundestag die dafür entscheidenden
Rahmenbedingungen neu justieren. „Im parlamentarischen Verfahren kommt
es darauf an, nicht hinter die Vorschläge der Bundesregierung
zurückzufallen“, mahnt Dietmar Schütz Konsequenz an. Vielmehr sind noch
einige Nachbesserungen erforderlich. So muss die Novelle des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) den Preisentwicklungen auf den
Rohstoffmärkten Rechnung tragen und weiteres Wachstum von Wind- und
Wasserkraft, Bio- und Solarenergie sowie Erdwärme ermöglichen. Mit
einem wirksamen Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz kann der Prozess
beschleunigt werden Öl- und Gas mit Erneuerbaren Energien aus dem
Heizungskeller zu verdrängen. Für die Stromerzeugung steht dann mehr
Gas zur Verfügung, ohne die Importabhängigkeit zu erhöhen.
Die
Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien ist zuletzt pro Jahr um mehr
als 10 Milliarden Kilowattstunden gewachsen. Allein dieser jährliche
Zuwachs entspricht der Jahresproduktion von ein bis zwei
konventionellen Großkraftwerken. Nach dem Ausbauszenario des BEE werden
im Jahre 2020 mehr als 35 Prozent des deutschen Stromverbrauchs mit
Erneuerbaren Energien abgedeckt. Im Wärmesektor können die Erneuerbaren
Energien bis 2020 mindestens 20 Prozent des Bedarfs abdecken.
Erneuerbare Energien können Strom verlässlich und nachfragegerecht
produzieren. „Mit dem regenerativen Kombikraftwerk beweisen wir, dass
die Vollversorgung technisch machbar ist“, so Dietmar Schütz. Ein
Anreiz für die Integration von fluktuierenden und regelbaren
Erneuerbaren Energien im EEG kann dabei helfen, solche Ansätze weiter
zu verbreiten.
Grundlage einer dauerhaft sicheren Versorgung bleiben aber die
erforderlichen Strommengen. Um die Ausbauziele im Stromsektor zu
erreichen, muss gerade die Windenergie an Land einen entscheidenden
Beitrag leisten können. Der deutsche Windenergiemarkt ist 2007 jedoch
um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. „Die aktuellen
Vergütungen sind im Jahr 2004 festgelegt worden. Wir brauchen jetzt
eine moderate Anpassung, um die von den Herstellern nicht
beeinflussbaren Preissteigerungen bei Stahl, Kupfer und anderen
Rohstoffen zumindest teilweise zu kompensieren“, erklärt Hermann
Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie.
Die
Bioenergie ist zusätzlich zu den Entwicklungen bei Stahl und Kupfer von
dramatischen Preissteigerungen auf den Weltagrarmärkten und damit bei
den Einsatzstoffen für Biogasanlagen betroffen. Die Biogasbranche
fordert die Parlamentarier auf, an der im Regierungsentwurf des EEG
vorgeschlagenen Anpassung des Bonus für Nachwachsende Rohstoffe
(NawaRo-Bonus) festzuhalten. „Das grund- und spitzenlastfähige Biogas
muss eine Chance behalten, sonst kann es seine energiewirtschaftlichen
Aufgaben im Zusammenspiel der Erneuerbaren Energien nicht übernehmen“,
unterstreicht Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas.
Kommt die Erhöhung des NawaRo-Bonus nicht, sind viele Biogasanlagen in
ihrer Existenz bedroht. Dies hätte dramatische Folgen für ländliche
Räume, in denen die regenerative Energieproduktion eine wichtige Säule
der wirtschaftlichen Entwicklung geworden ist. „Im Jahr 2007 ist der
landwirtschaftliche Biogasanlagenmarkt nahezu vollständig
zusammengebrochen. Herstellerfirmen mussten bereits Mitarbeiter
entlassen“, so Pellmeyer.
Vielfach unterschätzt wird in der
laufenden Stromdebatte das Potenzial der Solarenergie. In spätestens
zehn Jahren wird Solarstrom wettbewerbsfähig mit den Verbrauchertarifen
für konventionellen Strom sein. „Sobald Solarstrom vom eigenen Dach
günstiger ist als Strom aus der Steckdose, wird Solarenergie zu einer
tragenden Säule der Stromversorgung“, so Carsten Körnig,
Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Die im
Erneuerbare-Energien-Gesetz verankerte Solarförderung darf allerdings
nicht zu schnell reduziert werden. Die Solarwirtschaft steht einer
maßvollen Degression nicht im Wege, die im Entwurf vorgesehene schnelle
Rückführung der Vergütung um bis zu 9,8 Prozent ist für eine große
Anzahl der Solarunternehmen jedoch Existenz bedrohend.
Falsche
Entscheidungen im Rahmen der EEG-Novelle können dazu führen, dass der
von der Erneuerbare-Energien-Branche prognostizierte Ausbaupfad
verlassen wird. Dann droht ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden.
Die bis 2020 erwartete Verdopplung der Arbeitsplatzzahlen von 250.000
auf dann 500.000 gerät in Gefahr. Zudem kommen zusätzliche Kosten auf
die Gesamtwirtschaft zu. Bereits heute vermeidet der Einsatz
Erneuerbarer Energien 115 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Im Jahr 2020
können es jährlich 250 Millionen Tonnen sein. Wenn die Erneuerbaren
Energien diese zusätzliche Einsparung nicht erbringen können, wird
beispielsweise die energieintensive Industrie über den Emissionshandel
viel stärker zur Kasse gebeten. Allein die Mehrkosten für zusätzliche
CO2-Zertifikate belaufen sich 2020 dann auf jährlich mehr als 4
Milliarden Euro.
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